PAIDIA-Sonderausgabe zum Thema “Dokumentation und Simulation”

Die Paidia-Sonderausgabe "Dokumentation und Simulation" erscheint in Kooperation mit unserem Partner DOK.fest München

Wenn wir davon ausgehen, es gäbe eine reale Welt, und Medien würden in einem bloßen Abbildungsverhältnis zu dieser Welt stehen, dann hätte das Dokumentarische die Funktion, diese Welt oder einen Ausschnitt davon so unverfälscht wie möglich darzustellen.

Diese naive Formulierung markiert und formuliert einige zentrale Fragestellungen des Dokumentarischen; diese Fragen für das Medium Computerspiel zu reformulieren, und dabei zu beleuchten, wie Computerspiele mit der dabei entstehenden Problematik umgehen, ist Thema dieser Sonderausgabe. Denn wie könnte in ein solches Verständnis vom Dokumentarischen das Computerspiel passen? Wie kann das Computerspiel etwas, ‚so unverfälscht wie möglich‘ abbilden? Kann es überhaupt abbilden?

Simulation stellt in diesem Zusammenhang einen möglichen Schlüsselbegriff dar, denn das Spiel kann nicht nur auf ikonische oder symbolische Weise Ausschnitte der vormedialen, ‚realen‘ Welt abbilden, sondern auch Handlungen, die in der 'realen' Welt getätigt werden, in den medialen, virtuellen Raum des Computerspiels ‚übersetzen‘. Simulation meint in diesem Zusammenhang weit mehr als Flugsimulatoren etc. Sie könnte in Nachfolge ludologischer Positionen als ein dem Medium Computerspiel inhärenter Modus der Betrachtung und Relation von Welt verstanden werden. Wenn wir Simulation als eine spezifische Perspektivierung der Repräsentationen von Welt fassen, ist sie der Dokumentation strukturell ähnlich. Im Unterschied zur Dokumentation beinhaltet Simulation aber auch die Interaktion mit Objekten bzw. Figuren einer kohärenten Welt nach deren Gesetzmäßigkeiten. Dabei sind auch Simulationen von erzählten Welten möglich, die der Weisung der Kohärenz nicht widersprechen. Das Dokumentarische öffnet sich in der Simulation dadurch der Dimension des Erlebens.

Auf dieser Ebene sind viele der Computerspiele anzusiedeln, die üblicherweise als "Serious Games" verhandelt werden, aber auch Spiele, die in ein ‚reales‘ historisches Setting eingebettet sind, sowie ausgewiesene dokumentarische Computerspiele bzw. interaktive Kunst-/Medienproduktionen. Schon dieses Feld des (eher) explizit dokumentarischen Computerspiels wirft viele Fragen nach der Zukunft der dokumentarischen Form in interaktiven Medien auf. Darüber hinaus können Computerspiele aber auch als Archive kultureller Gegebenheiten, Haltungen und Auffassungen verstanden werden, die in diesem Sinn dokumentarisch verfahren.

Wenngleich sich die Artikel in dieser Sonderausgabe durch verschiedene Herangehensweisen und Methoden unterscheiden und ganz unterschiedliche Spiele als Analysegegenstände ausgewählt wurden, wird doch vor allem die gemeinsame Bestrebung deutlich, auf diese Fragen und Probleme Antworten zu finden. Unser Dank gilt den Autorinnen und Autoren und den Kolleginnen und Kollegen, die an der Veröffentlichung mitgearbeitet haben, und wir wünschen erkenntnisreiche Lektüren.

Gebhard Grelczak
Marcel Schellong
Tobias Unterhuber

 

Beiträge in alphabetischer Reihenfolge

Im Rahmen einer Kooperation mit dem internationelen Dokumentarfilmfest München "DOK.fest" 2015 nehmen Gebhard Grelczak, Marcel Schellong, Tobias Unterhuber am Forum Interactive Media mit einem Keynote-Vortrag zum Thema "Doku-Games und Simulationen" am Dienstag, 12.5.2015 um 11.30 Uhr in der HFF München teil. Weitere Informationen auf der Homepage des Dokumentarfilmfests.

Wir möchten noch auf unsere nächste Unternehmung hinweisen: CFP für die nächste Sonderausgabe von Paidia zum Thema "Computer – Spiel – Werte. Didaktische Computerspiel­forschung im Bereich der Werteerziehung"

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